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16. August 2020
Alicia Metz-Kleine

Karin Heidt bietet im Happy Place System- und Familienaufstellungen, NLP – Coaching und körperorientierte Psychotherapie an. Im Interview haben wir über Familienaufstellungen gesprochen und darüber, wie eine solche Aufstellung abläuft. Außerdem hat Karin erzählt, wie sie selbst zu diesen Themen gekommen ist.

Liebe Karin, was kann man sich unter einer Familienaufstellung vorstellen?

Bei einer Familien- oder auch Systemaufstellung ist es möglich, Themen zu lösen, die – wie der Name schon sagt – etwas mit der Familie zu tun haben. Meistens sind das Themen, die etwas mit der Geschichte der Herkunftsfamilie zu tun haben, also mit den eigenen Eltern. Das besondere an einer Familienaufstellung ist, dass die anderen Familienmitglieder nicht dabei sein müssen, um hier Lösungen zu finden.
Besonders klärend und entlastend ist nach meiner Erfahrung eine Familienaufstellung für sehr feinfühlige Menschen, denn die haben oft schon als Kind Stimmungen, Schuldgefühle oder Tabu-Themen in der Familie wahrgenommen und aufgeschnappt. Da Kinder fast alles dafür tun, um dazuzugehören und die Familie zusammenzuhalten, übernehmen sie unbewusst diese Stimmungen und Schwingungen und merken irgendwann gar nicht mehr, dass sie sich etwas aufgeladen haben, was nicht zu ihnen gehört und sie belastet. Diese Muster wirken noch bis weit ins Erwachsenenleben und sind gar nicht so leicht zu aufzulösen.

So kann es z.B. sein, dass jemand immer wieder zu viel Verantwortung für andere übernimmt, aber nicht gut für sich sorgen kann. Das kann ein Hinweis auf übernommene Schuldgefühle sein, da versucht jemand möglicherweise unbewusst, an anderen etwas „wieder gut zu machen“ und eine Schuld abzutragen, indem er sich sie kümmert und sich selbst zurücknimmt. Klingt paradox, macht auf einer tieferen Ebene aber durchaus Sinn.
Um hier innerlich aufzuräumen und noch mehr bei sich und dem eigenen Potenzial anzukommen, kann eine Familienaufstellung viel beitragen. Denn hier ist es möglich, das zu ordnen, was in Unordnung geraten ist und übernommene (Schuld-)Gefühle wie in einem Ritual dahin zurückzugeben, wo sie hingehören. Und das alles ohne Wiederholungen von alten Geschichten, Rechtfertigungen, Schuldzuweisungen oder Bewertungen. Das ist das Wunderbare daran.

Wer mehr dazu wissen möchte und herausfinden möchte, ob es auch in seiner Familie Themen gibt, bei denen es gut wäre, die einmal aufzustellen – ich habe einen kostenlosen dreiteiligen Online-Kurs zu dem Thema entwickelt. Hier erkläre ich, welche Themen sich für eine Aufstellung eignen und welche eher nicht. Hier erzähle ich auch mehr darüber, wie eine Aufstellung abläuft, es gibt eine Fragebogen, um eigene Themen zu erkennen und eine geführte Meditation zu den Ahnen, die sehr heilsam wirkt.

Und wie läuft eine solche Aufstellung ab?

Es gibt zwei verschiedene Herangehensweisen: entweder in einer Gruppe oder in einer Einzelarbeit im 1:1 Setting.
In den Aufstellungsgruppen kommen bei mir sechs bis zehn Menschen zusammen. Drei bis vier haben ein Anliegen, das sie aufstellen möchten. Mit denen habe ich ein paar Tage vorher ausführlich gesprochen und geklärt, worum es gehen soll. Die anderen sind „nur“ als Teilnehmer*innen dabei.
Vor jeder Aufstellung kläre ich nochmals den Auftrag, also die Frage, worum es in der Aufstellung gehen soll und welches Ergebnis hilfreich wäre. Dann entscheiden wir, welche Personen dazu aufgestellt werden müssen.
Der Aufstellende wählt aus dem Kreis der Teilnehmer*innen Stellvertreter für sich und die anderen Positionen und führt diese aus dem Gefühl heraus an einen Platz in dem Raum. Dann zieht sich der Aufstellende aus dem Geschehen zurück und schaut sich das Ganze von außen an.

Die Stellvertreter*innen entwickeln dann unter meiner Anleitung über mehrere Schritte hinweg eine Lösung. Dann steigt der Aufstellende wieder ein und nimmt die Lösung in sich auf.
Klingt vielleicht erstmal komisch, ist aber ein ganz natürlicher Prozess, der viel mit unseren Spiegelneuronen zu tun hat und einer nachvollziehbaren Systematik folgt. Vieles erkläre ich während der Aufstellung oder danach ,mir ist wichtig, dass sowohl der Aufstellende als auch die Teilnehmer nachvollziehen können, was da passiert.
Im 1:1 Kontakt gibt es anstelle von Menschen Kissen oder Holzfiguren als Stellvertreter. Auch auf diese Weise kann man innere Bilder sichtbar machen und Ordnung in das Familiensystem bringen.
Ich mag beides und entscheide immer gemeinsam mit meinen Klient*innen, was gerade dran ist. Manchmal auch erst das eine, dann das andere.
Familienaufstellungen kann man aber nur bedingt erklären, am besten ist es, einfach mal dabei zu sein, entweder als Teilnehmer*in in einem Workshop oder bei einem der Kennenlern-Abende.

Wieso beschäftigst du dich ausgerechnet mit diesem Thema?

Ich bin ein sehr feinspüriger und hellhöriger Mensch und habe Antennen, die viel wahrnehmen können. Die hatte ich schon als Kind. Das hat auch bei mir dazu geführt, dass ich ganz viele Themen aus dem Familiensystem gespürt und aufgenommen habe.
Und als ich später als Erwachsene in meinem Leben durch die ersten Krisen schlitterte, habe ich erstmal gedacht, dass mit mir ´was nicht stimmt, dass ich zu ….ich weiß nicht was bin. Ich habe Weiterbildungen gemacht und an meinem Mindset gearbeitet, Coachings genommen, doch irgendwie steckte ich an wesentlichen Punkten weiter fest und hatte immer wieder die Phantasie, dass ich nicht leben möchte, obwohl ich nicht depressiv war.

Und erst in einer Familienaufstellung habe ich gesehen, dass es in meiner Familie viele Tote gab, um die niemand getrauert hatte und zu denen ich eine starke Verbindung hatte. Das war für mich ein großes Aha-Erlebnis – dass mein Fest-Stecken nichts damit zu tun hatte, dass ich zu …..irgendwas bin, sondern dass ich da auf etwas aufmerksam machte, was gesehen werden wollte. Ich konnte aber auch erkennen, dass das zu großen Teilen gar nicht mein Thema war.
Durch mehrere Familienaufstellungen konnte ich Schritt für Schritt Ordnung in mein System bringen und spürte mehr und mehr, dass meine Ahnen es gut mit mir meinen und wollen, dass ich die Vergangenheit ruhen lasse und mein Leben lebe. Danach haben sich in meinem Leben viele Knoten gelöst.
Ich bin fest davon überzeugt, dass wir solche Erfahrungen nicht „einfach so“ machen, sondern dass es darum geht, solche Erfahrungen weiterzugeben und anderen zu helfen, ihre blinden Flecken auszuleuchten. Wenn ich in einer Aufstellung sehe, wie manchmal jahrelange Belastungen von jemandem abfallen oder jemand sich für eine neue Perspektive öffnet, macht mich das einfach glücklich!

Was erwartet einen in deinem Kurs genau?

Eine große Achtsamkeit und einen Rahmen, in dem man sich auch mit brisanten Themen gut aufgehoben fühlen kann. Leichtigkeit, eine große Verbundenheit und ein Aufgehobensein in der Gruppe und natürlich auch intensive Gefühle, weinen und auch lachen.

Du bietest auch Workshops und Aufstellungen zum Thema Geld an. Was ist das das Besondere?

In diesen Workshops erforsche ich mit den Teilnehmer*innen ihren Money-Mindset, denn viele haben immer noch die Einstellung: „Ach, Geld ist mir nicht so wichtig“. Das klingt zwar edel, hat aber eine Wirkung, denn stell dir dochmal vor, du wärst mit jemandem befreundet und der würde dir immer wieder zu verstehen geben, dass du ihm nicht so wichtig bist. Was würdest du tun? Das eine Weile mitmachen, dann ärgerlich werden und dich schließlich immer mehr zurückziehen. So ähnlich macht das Geld es auch. Und mir ist es wirklich ein Anliegen, mit diesen Vorurteilen dem Geld gegenüber aufzuräumen. Geld ist weder gut noch schlecht, es ist das, was es ist und das, was wir daran koppeln. Und in einer Aufstellung wird es so wunderbar deutlich, wie wie zu unserem Geld stehen. Da hilft es auch, einiges neu zu ordnen.

Wie unterscheidet sich deine Arbeit als Coachin von deiner Aufstellungsarbeit?

Im Coaching geht es mehr um eine Ausrichtung für den Klienten. Was ist meine Vision, meine Mission, mein Warum? Wofür brenne ich und was sind meine Werte? Was treibt mich an und gibt macht mich glücklich. Und was hindert mich daran, darauf loszugehen oder bestimmte Werte mehr zu leben. Hier kann es auch tief gehen und sehr emotional werden, aber Coaching ist ja eine Begleitung auf Zeit, bis zu einem bestimmten Ergebnis. Manchmal bietet sich aber auch eine Kombination an, wenn es im Coaching nicht mehr weitergeht, kann eine Aufstellung sinnvoll sein und umgekehrt.

Wie erlebst du die momentane Ausnahmesituation? Und wie wirkst sich diese spezielle Zeit auf deine Arbeit aus?

Die Corona-Krise wirkt wie ein Brennglas und verstärkt das, was sowieso da ist. Die Menschen, die zu mir kommen, haben einen höheren Leidensdruck, aber sie bringen auch mehr Wandlungsenergie mit. Im Moment wird nicht so viel um den heißen Brei herumgeredet, wir müssen uns verändern, ob wir wollen oder nicht – d.h. es geht gerade ziemlich zur Sache. Aber genau das mag ich!
Für mich persönlich ist es gerade auch herausfordernd, weil ich mehr Zeit zwischen den Klienten einplane und meine Arbeitsweise immer wieder an das anpassen muss, was gerade möglich ist. Auch die Methode selbst habe ich schon angepasst, um die Abstandsregeln einzuhalten. Aber auch das geht.
Ganz konkret heißt es, dass im Moment nur kleine Gruppen möglich sind, d.h. für meine Aufstellungsgruppen max. 7 Teilnehmer*innen.
Und in der Einzelarbeit ist eben viel mehr äußerer Abstand zwischen mir und meinem Klienten. Die Arbeit ist interessanterweise dadurch nicht weniger intensiv als wenn wir dichter zusammensitzen.

Mehr Infos zu Karin & Termine: https://www.karin-heidt.de/
Anfragen & Terminvereinbarungen: kh@karin-heidt.de

Dreiteiliger kostenloser Online-Kurs: Gestalte den Wandel – jetzt!
https://www.karin-heidt.de/kostenlose-angebote

Familien- und Systemaufstellung zum Kennenlernen
Dienstag, 01. September, 19-21:30 Uhr

Familienaufstellung unter Einhaltung der Hygienevorschriften
Samstag, 29. August, 10-19 Uhr
Samstag, 26. September, 10-19 Uhr